Interview mit Roland Strejcek: „Ich wollte glauben können wie meine Frau“

Die Initiative www.Glaube.at aus Österreich ist Partner des Jahres der Dankbarkeit. Unter Leitung von Helmut Herscht (Missionsleitung IM Österreich) sind drei Interviews zum Thema Jahr der Dankbarkeit geführt worden. Hier lesen Sie das Interview mit Roland Strejcek.

 

Glaube.at: Lieber Roland, schön, dass wir heute zusammen sein dürfen. Den Anlass liefert das „Jahr der Dankbarkeit“. Zuerst zu deiner Tätigkeit im Immobilienbereich. Wie bist du dazu gekommen?

Roland Strejcek: Die EDV interessierte mich nicht mehr so sehr. Die große Spannung war vorbei. Ich hielt damals Seminare im Bereich Persönlichkeitsentwicklung und suchte eigentlich einen Job für meine Frau. Das brachte mich auf den Immobilienbereich. Irgendwann kam ich zu dem Ergebnis: Wenn das Ganze so vielversprechend ist, könnte ich es doch gleich selbst beginnen. Das tat ich dann auch.

Glaube.at: Welche Herausforderungen begegnen dir in diesem Beruf?

Roland Strejcek: Man braucht Geduld und die Fähigkeit, Tiefschläge zu verkraften. Oft bewegt man sich zwischen himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt. Entweder man verkauft ein Objekt oder eben nicht. Dazwischen gibt es nichts. Deshalb braucht man viel Geduld für Menschen und muss komplizierte Sachverhalte oft einfach erklären.

Glaube.at: Dir ist nach eigenen Angaben der christliche Glaube sehr wichtig. Wie kam es dazu?

Roland Strejcek: Der endgültige Schritt geschah in einer Krisensituation. Aber es gibt eine Vorgeschichte: Meine Frau fand zuerst zum Glauben an Gott, nachdem sie einen Traum gehabt hatte. Darin sah sie sich in einer langen Menschenschlange stehen und musste dann an einer Gabelung wählen: „Gehe ich rechts oder links?“ Sie spürte, dass es sich hier um die wesentliche Entscheidung handelte: „Gehe ich zu Gott, oder gehe ich verloren?“ An dem Tag begann sie ein Leben mit Jesus. Ich selbst war zu dieser Zeit beruflich viel unterwegs. Ich dachte, meine Frau sei einfach mit der Familie überfordert, und konnte ihren Wandel nicht einordnen. Ich kam zu dem Schluss, ich müsste mich wohl mehr um sie kümmern. Dann würde das schon wieder werden …

Glaube.at: Wie ging es weiter?

Roland Strejcek: Die Sache wurde noch skurriler. Wir besuchten die Mutter meiner Frau, die aus Tschechien stammt. Sie hatte an diesem Tag gerade Besuch von einem Pastor, der damals in der Tschechoslowakei noch geheim im Untergrund arbeitete. Das war noch zu Zeiten des Eisernen Vorhanges. Meine Frau war sofort begeistert und betete mit dem Pastor dafür, dass sie bei uns in Österreich eine geeignete Kirchengemeinde finden würde. Für mich war das alles sehr seltsam. Ich saß allein daneben mit meinem Bier (lacht).

Glaube.at: Was geschah dann?

Roland Strejcek: Es wurde immer schräger. Wieder zu Hause, besuchte meine Frau unsere Nachbarin und erzählte ihr, dass sie sich für ein Leben mit Gott entschieden hätte. Zu ihrem Erstaunen hatte die Nachbarin dasselbe getan! Auch sie hatte soeben zum Glauben an Jesus Christus gefunden. Sie hatte Kontakt zu einer gläubigen Frau aufgebaut, die im sechsten Stock unseres Hauses lebte. Das Merkwürdigste aber war: Diese Frau aus dem oberen Stock hatte unserer Nachbarin erzählt, dass sie einen Traum über mich und meine Frau gehabt hätte!

Glaube.at: Das ist in der Tat abenteuerlich! Was hat sie von euch geträumt?

Roland Strejcek: Sie hatte in dem Traum die gesamte Situation gesehen, die wir bei meiner Schwiegermutter erlebt hatten! Sie „sah“ meine Frau und dass sie viele Fragen über den Glauben hatte, weiters den „Untergrund-Pastor“ und sogar den großen Hund der Familie! Es war unglaublich. Meine Frau traf sich daraufhin ebenfalls mit der Frau aus dem sechsten Stock. Für sie waren all diese Vorkommnisse die Bestätigung, dass Gott am Wirken war. Sie war so aufgeregt und begeistert.

Glaube.at: Und dieses Feuer ist dann auf dich übergesprungen? 

Roland Strejcek: Ich wollte so glauben können wie meine Frau, aber zugleich war es mir suspekt. Als Techniker tat ich mir schwer mit dem Glauben. Ich hatte mich auch mit fernöstlichen Religionen beschäftigt. Meine Firma wurde zu dieser Zeit an einen Konzern verkauft. Daher wollte ich mich mit ein paar Kollegen selbstständig machen. Wir hatten aber das Problem, dass Lieferanten absprangen. So wussten wir nicht mehr, wie es weitergehen sollte. Meine Frau empfahl mir in dieser Krise, mit einem Pastor zu sprechen, der wie wir in Korneuburg wohnte und oft gute Tipps hatte. Er hätte an dem Tag in Ungarn predigen sollen. Aber meine Frau „bekniete“ ihn und sagte, er solle unbedingt hier bleiben, da ich an ebendiesem Tag zu Gott finden würde …! Er ließ sich überzeugen zu bleiben und mit mir zu sprechen. Das führte noch an dem Tag tatsächlich zu meiner Umkehr zu Gott. Es war für mich ein „Nachhause kommen“. Ein großer Grund für Dankbarkeit!

Glaube.at: Wofür genau bist du Gott dabei dankbar?

Roland Strejcek: Er hat uns einfach mit viel Geduld geführt. Dafür bin ich ihm sehr dankbar. Ich fand durch eine Notsituation zum Glauben. Anders hätte es bei mir wahrscheinlich nicht funktioniert. Ich hätte mich wohl von mir aus nicht demütigen können. Auf diese Weise habe ich die große Güte Gottes gesehen.

Glaube.at: Wie wirkt sich der christliche Glaube auf dein heutiges Leben aus?

Roland Strejcek: Er zieht sich durch alle Bereiche. Beruflich hat man als Makler sowieso den Ruf, dass man nicht so ganz ehrlich ist. Man soll aber in allen Lebensbereichen Christ sein, nicht nur am Sonntag im Gottesdienst.

Glaube.at: Wenn du auf dein bisheriges Leben zurückblickst, wofür bist du Gott am meisten dankbar? 

Roland Strejcek: Für meine Errettung – für die Gewissheit, von Gott angenommen zu sein. Und für meine gesamte Familie. Wir haben vier Kinder, eines mit einer Behinderung. Wir haben in so vielen Dingen Gottes Liebe erlebt.

Glaube.at: Gibt es etwas in deinem Leben, das du als Wunder seitens Gottes bezeichnen würdest?

Roland Strejcek: Hier gab es einige Situationen. Ich wurde wie durch ein Wunder von einem Unfall bewahrt, als ich einen Sekundenschlaf hatte. Ich fuhr schlafend von der Autobahn und wachte dann auf. Das war ein Vorgeschmack für mich, kurz bevor ich zum Glauben fand. Eine andere besondere Situation ergab sich, als wir ein Haus suchten. Die damaligen Häuser waren kaum erschwinglich. Meine Frau hatte diesen großen Wunsch und war überzeugt, dass Gott ein Wunder bewirken kann. Wir fanden tatsächlich ein tolles Haus, allerdings war es für uns um 30.000 Euro zu teuer. Meine Frau rief trotzdem den Verkäufer an, erfuhr aber, dass das Haus bereits vergeben war. Als es zwei Monate später wieder in den Anzeigen erschien, fragten wir ungläubig nach. Es handelte sich tatsächlich um „unser“ Haus. Der Käufer hatte die Anzahlung von 30.000 Euro geleistet, verschwand dann aber, weil er das restliche Geld nicht aufbringen konnte. So kamen wir zu unserem Haus, und das mit unseren finanziellen Möglichkeiten.

Glaube.at: Nun seid ihr aber kürzlich ins Burgenland übersiedelt. Aus welchem Anlass?

Roland Strejcek: Vor zwei Jahren erfuhr ich, dass in Eisenstadt eine Kirchengemeinde gegründet werden sollte. Ich fand das zwar gut, sah es für uns aber nicht als bedeutsam an. Ich konnte mir vorstellen, in den geistlichen Dienst zu gehen, habe mich dabei aber nicht im Burgenland gesehen. Kurz darauf gab es eine Veranstaltung der Evangelischen Allianz in Eisenstadt. Da unser Wiener Pastor verhindert war, fuhr ich hin. Und bei diesem Besuch „redete“ Gott zu mir. Ich spürte, dass ich hierher gehörte. Meine Urgroßeltern hatten darüber hinaus bereits einen Bauernhof im Burgenland gehabt, den sie verschenkten. Diese Erzählungen aus meiner Kindheit fielen mir wieder ein. Gott gab mir auf diese Weise zu verstehen, dass ich für das Burgenland einen besonderen Segen habe. Einen Segen, der über Generationen geht. Man kann sich Segen zwar nicht verdienen, aber die Voraussetzungen dafür sind in meiner Familie erfüllt worden. Hier soll also unser Platz sein. Und so schließt sich die Geschichte.

Glaube.at: Wenn du nun an unsere Leser denkst: Welchen Tipp möchtest du ihnen fürs Leben mitgeben?

Roland Strejcek: Wenn Jesus etwas zu dir sagt, dann tu es!

Das Interview führte Helmut Herscht.