Interview mit Prof. Mascher: „Die Neugier treibt mich an“

Die Initiative www.Glaube.at aus Österreich ist Partner des Jahres der Dankbarkeit. Unter Leitung von Helmut Herscht (Missionsleitung IM Österreich) sind drei Interviews zum Thema Jahr der Dankbarkeit geführt worden. Hier lesen Sie das Interview mit Prof. Hermann Mascher.

 

Glaube.at: Lieber Hermann, vielen Dank für die Einladung nach Baden bei Wien. Wenn man sich bei euch umsieht, entdeckt man einige interessante „Instrumente“. Was macht ihr hier genau?

Prof. Hermann Mascher: Ich habe diese Firma (Pharm-Analyt) vor knapp 30 Jahren gegründet. Wir haben uns darauf spezialisiert, den Bereich zwischen Pharmazie und Medizin zu beleuchten. Das dient vor allem der Entwicklung von Medikamenten. Unsere Aufgabe besteht darin, die Konzentration von Medikamenten in Blut, Harn und Gewebe nachzuweisen.

Glaube.at: Es handelt sich also um eine sehr spezielle chemische Forschung? 

Prof. Hermann Mascher: Wir verwenden Chemie, aber viel mehr noch Physik. Mit unseren High-Tech-Geräten weisen wir kleinste Mengen von Medikamenten im Blut nach. Das hilft zu analysieren, wie lange Medikamente im Blut bleiben, und hilft letztlich bei ihrer Dosierung für den Patienten.

Glaube.at: War dieser berufliche Weg für dich in irgendeiner Weise vorgezeichnet? 

Prof. Hermann Mascher: Nein, gar nicht. Nach einer Zeit im Internat in Salzburg habe ich beschlossen, dass ich eine Lehre machen möchte. So kam es, dass ich in Kundl (Tirol) die Lehre zum Chemielaboranten begann, ohne zu wissen, was da genau auf mich zukam. Zusätzlich besuchte ich nach meinem Lehrabschluss das Abendgymnasium in Innsbruck, um die Matura nachzuholen.

Glaube.at: Was verschlägt einen Tiroler nach Niederösterreich? 

Prof. Hermann Mascher: Meine Frau. Ich habe sie in einem christlichen Begegnungszentrum in Klaus (Oberösterreich) kennen gelernt. Sie kam aus Wien, und so bin ich dann nach Wien übersiedelt. Wir haben geheiratet und zogen nach zwei Jahren nach Traiskirchen, da es dort günstige Wohnungen gab. Wir waren damals ja arm wie Kirchenmäuse.

Glaube.at: Wir haben vorhin schon deinen Beruf angesprochen. Was gefällt dir an ihm besonders?

Prof. Hermann Mascher: Ich finde es spannend, dass wir mit unserer Forschung so nahe an der Wirklichkeit dran sind. Neugier ist eines der treibenden Elemente in meinem Leben. Ich habe deshalb auch viel veröffentlicht. Als Mensch sehe ich mich als guten Hirten, der seinen Mitarbeitern vorangeht. Mir ist hier wichtig, ein „Schafhirte“ mit Vorbildfunktion zu sein und kein „Kuhhirte“, der andere antreibt. Der Glaube spielt für mich auch hier herein. Er hat mir auch geholfen zu wissen, dass ich immer wieder neu anfangen kann.

Glaube.at: Du hast deinen christlichen Glauben erwähnt. Er spielt in deinem Leben eine besondere Rolle. Wie kam es dazu? 

Prof. Hermann Mascher: Ich bin wie wohl fast jeder Tiroler römisch-katholisch aufgewachsen. Ich war zwar kirchlich geprägt, hielt aber nicht viel davon und war weder wirklich dafür noch dagegen. Ein besonderes Erlebnis meiner Jugend brachte für mich hier den Umschwung. Ich hatte eines Abends den Zug versäumt und musste zwölf Kilometer nach Hause gehen. Da schüttete ich Gott mein Herz aus und wusste von dem Tag an, dass ich mein Leben ändern musste. Andere Christen im Jugendkreis halfen mir dabei. So kam es, dass ich ein engagierter Christ wurde. Ich freue mich heute, wenn Gottes Anliegen zum Zug kommen.

Glaube.at: Wie wirkt sich der Glaube in deinem heutigen Leben aus? 

Prof. Hermann Mascher: Es gab hier verschiedene Phasen. Ich begann vor langer Zeit, meine Geschäftspartner auf den christlichen Glauben hinzuweisen, indem ich das Thema im richtigen Moment ansprach oder ihnen eine Broschüre zusandte. Zudem bestärkte mich meine Frau darin, mit ihr gemeinsam Jugendkreise zu leiten. In der Folge entstanden dann auch ein Business Breakfast für Führungskräfte und ein christliches Männerfrühstück.

Glaube.at: Gibt es Dinge oder Situationen, für die du Gott in deinem Leben besonders dankbar bist? 

Prof. Hermann Mascher: Ich bin besonders dankbar für meine Frau. Mit ihr hat mein Leben erst so richtig begonnen. Durch sie kam eine ganz neue Dimension in mein Leben, die mir Ausrichtung und Sinn gab. Ich bin auch sehr dankbar für meine drei Kinder und dass sie auf Jesus Christus vertrauen. Zudem bin ich Gott dankbar, dass ich all die Jahre meine Firma haben durfte. Ich habe ein paar gute Freunde und einen Sinn im Leben. Ich weiß, dass ich einmal in Jesu Armen landen werde.

Glaube.at: Hat es in deinem Leben auch schwierige Phasen gegeben, wo du nun im Nachhinein sagen kannst, „hier hat Gott mich durchgetragen“? 

Prof. Hermann Mascher: Mir ging es in vielen Phasen sehr gut. Allerdings war der Anfang unserer Ehe nicht so einfach, da wir bei unserer großen Liebe zueinander etwas anderes erwartet hatten. Als es dann auch in den schwierigen Bereichen anders wurde, konnten wir unsere Ehe noch viel mehr genießen. Vielleicht war es auch gut, dass nicht alles von Anfang an perfekt war. Es gab sogar krisenhafte Knackpunkte, die uns schließlich, nachdem sie gelöst waren, in der Beziehung immens weitergebracht haben.

Glaube.at: Siehst du einen Zusammenhang zwischen dem christlichen Glauben und Dankbarkeit? 

Prof. Hermann Mascher: Natürlich, hier sehe ich einen großen Zusammenhang. Wenn wir kein Gegenüber haben wie Gott, wem sollen wir dann dankbar sein? Ohne Gott würden wir uns nur um uns selbst drehen und uns selbst auf die Schulter klopfen. So eine Lebensweise macht uns aber kaputt, weil sie sinnlos ist und zu keiner wirklichen Zufriedenheit führt.

Glaube.at: Worauf möchtest du in höherem Alter zurückblicken? Wie möchtest du gelebt haben?

Prof. Hermann Mascher: Ich bin sehr zufrieden, wie mein Leben bisher gelaufen ist. Ich konnte mich früh selbstständig machen und habe dabei viel gelernt. Als Selbstständiger muss man sehr diszipliniert sein. Zugleich steht man in der riesigen Gefahr, dass man uferlos wird. Hier hat mir der Glaube an Jesus Christus geholfen, mein Leben zu korrigieren. Ich habe eine Zeit lang 80 Stunden pro Woche gearbeitet, bis ich erkannt habe, dass es so nicht weitergehen kann. Man muss einfach lernen loszulassen.

Glaube.at: Welchen Tipp würdest du unserer Leserschaft gern fürs Leben mitgeben? Welche Eigenschaft soll man deiner Meinung nach als Mensch erwerben? 

Prof. Hermann Mascher: Ein wesentlicher Punkt besteht darin, ehrlich zu sich selbst zu sein. Ich denke, dass jeder Mensch über die eigenen Motive nachdenken muss. Wofür mache ich denn das Ganze, und wofür lebe ich? Gibt es so etwas wie ein Programm für mein Leben? Das sind die Schlüsselfragen im Leben. Man muss das eigene Ego in den Hintergrund stellen, denke ich. Man möchte ja irgendwann sagen können: „Es ist zwar einiges schief gegangen, aber in den Grundzügen bin ich zufrieden, wie mein Leben lief.“ Ich kann mir nicht vorstellen, dass das ohne den Glauben an Jesus Christus möglich ist. Nur bei Jesus ist Vergebung möglich, und nur durch ihn besteht die Sicherheit, dass Gott uns aus Gnade annimmt. In dieser Frage können die anderen Religionen nicht weiterhelfen. Bei Jesus hingegen finde ich einen Lösungsansatz für die gesamte Menschheit. Deshalb fasziniert er mich so.

Das Interview führte Helmut Herscht.